Polyneuropathie – Symptome, Diagnose und Behandlung
Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die häufig unterschätzt wird, aber den Alltag stark beeinträchtigen kann. Besonders im Rahmen von Krebsbehandlungen – etwa während einer Chemotherapie – tritt sie relativ häufig auf. Typische Beschwerden wie Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen beginnen meist in Händen und Füßen und können sich im Verlauf ausbreiten.
Die gute Nachricht: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und aktiv gegenzusteuern – von Medikamenten über Bewegung bis hin zu modernen Verfahren wie der Vibrationstherapie / Low Intensity Vibration (LiV).
Inhalt
- Was ist eine Polyneuropathie?
- Welche Symptome treten bei Polyneuropathie auf?
- Welche Rolle spielt die Chemotherapie?
- Wie wird Polyneuropathie diagnostiziert?
- Wie sieht die medikamentöse Behandlung aus?
- Welche nicht medikamentösen Therapien helfen?
- Welche Rolle spielen Ernährung, Sport und Bewegung?
- Wie wirkt die Vibrationstherapie bei Polyneuropathie?
- Was ist Low Intensity Vibration (LiV)?
Was ist eine Polyneuropathie?
Polyneuropathie bezeichnet eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven. Diese Nerven sind für die Weiterleitung von Reizen wie Berührung, Temperatur oder Schmerz verantwortlich und steuern außerdem Bewegungen.
Eine besonders häufige Form ist die sogenannte chemotherapieinduzierte Polyneuropathie (CIPN). Dabei kommt es im Verlauf einer Krebsbehandlung zu Nervenschäden. Bestimmte Medikamente können die peripheren Nerven angreifen, darunter:
- Platinhaltige Substanzen (z. B. Oxaliplatin, Cisplatin)
- Taxane (z. B. Paclitaxel)
- Vincaalkaloide (z. B. Vincristin)
- Immunmodulierende Medikamente (z. B. Thalidomid)
- Proteasominhibitoren (z. B. Bortezomib)
Typisch ist eine sogenannte „socken- und handschuhförmige“ Ausbreitung: Die Beschwerden beginnen in den Füßen und Händen und breiten sich von dort aus.
Welche Symptome treten bei Polyneuropathie auf?
Die Symptome sind vielfältig und betreffen sowohl das Empfinden als auch die Bewegung. Besonders typisch sind:
Sensibilitätsstörungen
• Taubheitsgefühle
• Kribbeln („Ameisenlaufen“)
• Vermindertes Temperaturempfinden
Schmerzen
• Brennende Schmerzen
• Stechende oder elektrisierende Empfindungen
Motorische Einschränkungen
• Muskelschwäche
• Probleme bei feinmotorischen Tätigkeiten (z. B. Besteck halten, Knöpfe schließen)
Koordinationsprobleme
• Unsicherer Gang
• Häufiges Stolpern
• Erhöhtes Sturzrisiko
Diese Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten und sich im Verlauf verstärken.
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Welche Rolle spielt die Chemotherapie?
Die chemotherapieinduzierte Polyneuropathie ist eine der häufigsten Nebenwirkungen bestimmter Krebsbehandlungen. Sie entsteht, weil einige Medikamente nicht nur Tumorzellen, sondern auch Nervenzellen schädigen.
Für Betroffene ist das besonders belastend, da die Beschwerden oft:
• während der Therapie beginnen
• sich nach Therapieende fortsetzen können
• teilweise dauerhaft bestehen bleiben
Daher ist es wichtig, Symptome frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wie wird Polyneuropathie diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf mehreren Bausteinen:
Anamnese
Der Arzt erfasst Beschwerden, Vorerkrankungen und mögliche Auslöser wie Chemotherapie oder Diabetes.
Klinische Untersuchung
• Prüfung der Reflexe
• Test der Sensibilität
• Gleichgewichtstests
Technische Verfahren
• Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)
• Elektromyografie (EMG)
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um gezielt behandeln zu können.
Diagnose der Polyneuropathie mit Hilfe von NLG und EMG (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Elektromyografie).
Bei einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird die Funktionsfähigkeit der peripheren Nerven untersucht. Dabei wird festgestellt, wie schnell und wie effektiv elektrische Impulse durch die Nervenbahnen geleitet werden.
Wie sieht die medikamentöse Behandlung aus?
Die medikamentöse Therapie richtet sich nach Ursache und Symptomen.
Zum Einsatz kommen:
• Schmerzmedikamente
• Antidepressiva zur Schmerzmodulation
• Antikonvulsiva
• Vitaminpräparate (bei Mangel)
Bei chemotherapiebedingter Polyneuropathie steht vor allem die Linderung der Symptome im Vordergrund.
Welche nicht medikamentösen Therapien helfen?
Nicht medikamentöse Maßnahmen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung.
Physiotherapie
Verbessert Beweglichkeit, Muskelkraft und Koordination.
Ergotherapie
Unterstützt bei alltäglichen Tätigkeiten und Feinmotorik.
Gleichgewichts- und Koordinationstraining
Reduziert das Sturzrisiko deutlich.
Sensibilitätstraining
Kann helfen, die Wahrnehmung zu verbessern.
Diese Therapien tragen wesentlich dazu bei, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.
Akupunktur
Die Akupunktur stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird zunehmend auch bei Polyneuropathie eingesetzt. Durch das gezielte Setzen von Nadeln an bestimmten Punkten kann sie:
• Schmerzen lindern
• Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen reduzieren
• die Durchblutung fördern
• das allgemeine Wohlbefinden verbessern
Einige Studien und klinische Erfahrungen – insbesondere bei chemotherapieinduzierter Polyneuropathie – zeigen, dass Akupunktur eine sinnvolle ergänzende Therapie sein kann. Wichtig ist, dass die Behandlung von qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird.
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Welche Rolle spielen Ernährung, Sport und Bewegung?
Ein gesunder Lebensstil ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Polyneuropathie.
Ernährung
• Ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen
• Antioxidantien zur Unterstützung der Nervenzellen
• Stabiler Blutzucker (bei Diabetes)
Sport und Bewegung
Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv aus auf:
• Durchblutung
• Muskelkraft
• Gleichgewicht
Besonders geeignet sind:
• Spazierengehen
• leichtes Krafttraining
• Gleichgewichtsübungen
Wie wirkt die Vibrationstherapie bei Polyneuropathie?
Die Vibrationstherapie ist ein innovativer Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dabei werden mechanische Schwingungen gezielt eingesetzt, um den Körper zu stimulieren.
Mögliche Effekte:
• Verbesserung der Durchblutung
• Aktivierung der Muskulatur
• Stimulation der Nerven
• Förderung von Gleichgewicht und Stabilität
Gerade bei Polyneuropathie kann Vibrationstraining helfen, die Körperwahrnehmung zu verbessern.
Was ist Low Intensity Vibration (LiV)?
Low Intensity Vibration (LiV) ist eine besonders schonende Form der Vibrationstherapie. Sie arbeitet mit sehr niedrigen, kaum spürbaren Schwingungen.
Vorteile von LiV:
• Gelenkschonend
• Für geschwächte Patienten geeignet
• Einfach in den Alltag integrierbar
Ein Beispiel ist das medizinisch zertifizierte System Marodyne LiV, das speziell für den Einsatz im Gesundheitsbereich entwickelt wurde.
Das regelmäßige Vibrationstraining mit Marodyne LiV (Low Intensity Vibration) kann dazu beitragen:
• die neuromuskuläre Aktivität zu verbessern
• die Standfestigkeit zu erhöhen
• die Lebensqualität zu steigern
Vibrationstraining (LiV) Anwendung
Fazit: Polyneuropathie ganzheitlich behandeln
Polyneuropathie – insbesondere im Rahmen einer Chemotherapie – ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die viele Lebensbereiche beeinflusst. Eine frühzeitige Diagnose und ein ganzheitlicher Therapieansatz sind entscheidend.
Neben medikamentösen Maßnahmen spielen Bewegung, Ernährung und innovative Verfahren wie die Vibrationstherapie und Low Intensity Vibration (LiV) eine wichtige Rolle. Sie bieten Betroffenen die Chance, aktiv etwas gegen ihre Beschwerden zu tun und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Weitere Anwendungbereiche:

